„Wir hätten gern einen Imagefilm.“
Mit diesem Satz beginnen viele Erstgespräche bei mir. Dahinter steckt fast immer dieselbe Frage: Welches Video braucht mein Unternehmen wirklich? Und ich frage dann immer dasselbe zurück: „Gern – wofür genau?“
Vor einiger Zeit saß mir ein Geschäftsführer gegenüber, nennen wir ihn Herrn Berger. Maschinenbau, 40 Mitarbeiter, volle Auftragsbücher. Er wollte einen Imagefilm, „so richtig hochwertig, mit Drohne und allem“. Nach zehn Minuten Gespräch stellte sich heraus: Neue Kunden brauchte er gar nicht – die musste er eher vertrösten. Was ihm fehlte, waren zwei Zerspanungsmechaniker und ein Azubi. Seit über einem Jahr.
Hätte ich ihm den Imagefilm einfach verkauft, hätte er ein schönes Video gehabt – und immer noch drei unbesetzte Stellen. Was er wirklich brauchte, war ein Recruiting-Video mit Social-Media-Ablegern, die dort laufen, wo seine zukünftigen Fachkräfte abends scrollen.
Genau darum geht es in diesem Artikel: Nicht jedes Video ist für jedes Ziel das richtige. Wer das falsche Format wählt, verbrennt Budget – egal wie gut der Film am Ende aussieht. Hier ist die ehrliche Entscheidungshilfe, die ich sonst im Erstgespräch gebe.
Welches Video braucht mein Unternehmen? Die Frage, die alles entscheidet
Bevor wir über Videoarten sprechen, musst du eine einzige Frage beantworten: Was soll nach dem Video passieren?
Nicht „was soll das Video zeigen“ – das kommt später. Sondern: Was soll der Mensch tun, der es gesehen hat? Eine Anfrage schicken? Sich bewerben? Deinem Kanal folgen und dich nicht mehr vergessen?
Je nachdem, wie deine Antwort ausfällt, landest du bei einer von drei Videoarten. Schauen wir sie uns der Reihe nach an.
Der Imagefilm: dein digitaler Händedruck
Das Ziel: Vertrauen aufbauen. Der Imagefilm beantwortet die Frage „Wer seid ihr – und kann ich mit euch arbeiten?“
Der Imagefilm ist das Aushängeschild deines Unternehmens: Er zeigt, wofür du stehst, wie du arbeitest und welche Menschen hinter deinem Namen stehen. Sein natürlicher Lebensraum ist deine Webseite – direkt auf der Startseite, wo er Besucher in zwei Minuten das fühlen lässt, wofür sie sonst zehn Unterseiten lesen müssten.
Du brauchst einen Imagefilm, wenn:
- Neukunden dich vor der Anfrage „prüfen“ (bei erklärungsbedürftigen Produkten und Dienstleistungen fast immer)
- du dich von austauschbaren Wettbewerbern abheben willst
- dein Vertrieb etwas braucht, das er vor oder nach dem Erstkontakt verschicken kann
- du auf Messen präsent bist und am Stand etwas laufen soll (hier gibt es noch die Möglichkeit, ein Messevideo zu produzieren)
Die ehrliche Einschränkung: Ein Imagefilm bringt dir keine Bewerber und keine Social-Media-Reichweite. Er ist ein Vertrauens-Werkzeug für Menschen, die dich bereits gefunden haben – kein Werkzeug, um gefunden zu werden.
Das Recruiting-Video: dein stärkstes Argument im Kampf um Fachkräfte
Das Ziel: Bewerbungen. Das Recruiting-Video beantwortet die Frage jedes Kandidaten: „Will ich jeden Morgen zu diesen Menschen fahren?“
Anders als der Imagefilm richtet es sich nicht an Kunden, sondern an zukünftige Mitarbeiter – und das verändert alles: die Bildsprache, die Ansprache, die Plattformen. Hier stehen nicht Produkte im Mittelpunkt, sondern das Team, der Arbeitsalltag und die ehrliche Antwort darauf, wie es bei dir wirklich zugeht.
Du brauchst ein Recruiting-Video, wenn:
- Stellen über Monate unbesetzt bleiben
- auf deine Anzeigen die falschen (oder gar keine) Bewerbungen kommen
- du Azubis suchst – diese Generation erreichst du mit Text schlicht nicht mehr
- deine Wettbewerber in der Region bereits sichtbarer sind als du
Warum das so gut funktioniert, welche fünf Prinzipien dabei entscheidend sind und wie die Rechnung im Vergleich zur klassischen Stellenanzeige aussieht, habe ich in einem eigenen Artikel ausführlich aufgeschrieben: Recruiting-Video: Wie du mit einem Video mehr Bewerbungen bekommst als mit zehn Stellenanzeigen.
Die ehrliche Einschränkung: Ein Recruiting-Video verkauft nicht. Wer damit Kunden gewinnen will, hat das falsche Werkzeug in der Hand – so wie Herr Berger fast das falsche gekauft hätte, nur andersherum.
Social-Media-Clips: dein Weg in die Sichtbarkeit
Das Ziel: Reichweite und Erinnerung. Kurze Clips beantworten keine Frage – sie sorgen dafür, dass man dich überhaupt auf dem Schirm hat.
Social-Media-Clips sind das Gegenteil des Imagefilms: kurz statt ausführlich, hochkant statt Kinoformat, regelmäßig statt einmalig. 15 bis 60 Sekunden, gemacht für Instagram, TikTok, LinkedIn oder YouTube Shorts. Einblicke in Projekte, kurze Tipps aus deinem Fachgebiet, Momente aus dem Arbeitsalltag.
Du brauchst Social-Media-Clips, wenn:
- deine Zielgruppe dich erst kennenlernen soll, bevor sie etwas von dir braucht
- du jung bist am Markt oder in einer Region wachsen willst
- du Fachkräfte und Azubis langfristig auf dich aufmerksam machen willst – Recruiting beginnt heute lange vor der Stellenanzeige
- ein einzelnes Video dir zu wenig ist und du dauerhaft präsent sein willst
Die ehrliche Einschränkung: Ein einzelner Clip bewirkt wenig. Social Media belohnt Regelmäßigkeit – hier geht es um einen Prozess, nicht um ein Projekt. Der gute Teil: Das Material dafür entsteht oft nebenbei, beim Dreh der anderen Formate.

Die Entscheidungshilfe auf einen Blick
Wenn du dir nur eines aus diesem Artikel merkst, dann das:

- Dein Engpass sind Kunden und Vertrauen? → Imagefilm für deine Webseite und deinen Vertrieb.
- Dein Engpass sind Mitarbeiter und Bewerbungen? → Recruiting-Video plus Hochkant-Ableger für Social Media.
- Dein Engpass ist, dass dich niemand kennt? → Regelmäßige Social-Media-Clips – und Geduld.
Mehrere Engpässe gleichzeitig? Willkommen im Mittelstand. Dann lies weiter.
Der Denkfehler: „entweder – oder“
Hier kommt der Teil, den dir kaum jemand sagt, weil sich Einzelprojekte besser verkaufen: Die Frage „welches Video?“ ist oft falsch gestellt. Die bessere Frage lautet: „Welches Video zuerst – und was lässt sich aus demselben Dreh noch herausholen?“
Denn die Formate sind keine getrennten Welten. Ein gut geplanter Drehtag in deinem Betrieb liefert Interviews, Arbeitsszenen, Detailaufnahmen, Teammomente – und aus diesem Material entstehen je nach Schnitt und Format völlig verschiedene Videos. Der Imagefilm für die Webseite. Drei Hochkant-Clips für Instagram. Ein Ausschnitt fürs Karriereportal.
Genau deshalb plane ich Drehs immer mit Blick auf die Mehrfachverwertung – nicht, weil es ein netter Bonus ist, sondern weil es der Unterschied zwischen einem Video und einer funktionierenden Videostrategie ist. Für dich heißt das: ein Drehtag, ein Budget, mehrere Werkzeuge. Was das kostet und wovon der Preis abhängt, liest du transparent in meinem Artikel Was kostet ein professionelles Video?
Ob Imagefilm, Recruiting-Video oder Social-Media-Clips: Ich übernehme Konzeption, Dreh und Video Editing für alle drei Formate persönlich – oft sogar an einem einzigen Drehtag. Werbe- und Imagevideos, Social-Media-Clips und alle weiteren Formate findest du im Überblick unter meine Leistungen.
Die drei häufigsten Fehler bei der Wahl des Videoformats
- Fehler 1: Das Video soll alles gleichzeitig. Kunden überzeugen, Bewerber ansprechen, auf Social Media laufen – am Ende erreicht es niemanden richtig. Ein Video, eine Zielgruppe, ein Ziel. Lieber zwei fokussierte Videos aus einem Dreh als ein verwässertes.
- Fehler 2: Das Format folgt dem Geschmack statt dem Ziel. „Der Film vom Wettbewerber gefällt mir“ ist kein Briefing. Vielleicht hat der Wettbewerber ein völlig anderes Problem als du.
- Fehler 3: Produziert – und dann vergessen. Das beste Video nützt nichts ohne Plan, wo es laufen soll: Webseite, Stellenanzeigen, Social Media, Messe, E-Mail-Signatur. Die Verbreitung gehört von Anfang an mitgedacht, nicht nachträglich.
Häufige Fragen zur Wahl des richtigen Unternehmensvideos
Was ist der Unterschied zwischen Imagefilm und Recruiting-Video?
Die Zielgruppe. Der Imagefilm spricht Kunden an und baut Vertrauen in dein Unternehmen auf. Das Recruiting-Video spricht zukünftige Mitarbeiter an und zeigt dich als Arbeitgeber. Beide können ähnliche Bilder nutzen – aber Botschaft, Ton und Plattformen unterscheiden sich grundlegend.
Welches Video lohnt sich für kleine Unternehmen am meisten?
Das hängt vom größten Engpass ab. Faustregel: Fehlen Aufträge oder Vertrauen bei Neukunden, zuerst der Imagefilm. Fehlen Mitarbeiter, zuerst das Recruiting-Video. In beiden Fällen lohnt es sich, den Dreh so zu planen, dass Social-Media-Clips als Ableger mit entstehen.
Kann ein Video mehrere Zwecke gleichzeitig erfüllen?
Ein einzelnes Video nur begrenzt – ein Drehtag dagegen sehr gut. Aus demselben Material lassen sich verschiedene Formate für verschiedene Zielgruppen schneiden. Entscheidend ist, dass das von Anfang an so geplant wird.
Wie lange ist ein Unternehmensvideo nutzbar?
Imagefilme und Recruiting-Videos sind typischerweise zwei bis vier Jahre im Einsatz – solange sich Team, Räume und Ausrichtung nicht grundlegend ändern. Social-Media-Clips leben kürzer, dafür entstehen sie laufend neu.
Was kostet der Einstieg?
Weniger als die meisten denken, wenn klar ist, welches Format wirklich gebraucht wird – genau dafür ist dieser Artikel da. Konkrete Zahlen und Einflussfaktoren findest du in meinem Kosten-Artikel, oder du fragst mich direkt und bekommst eine ehrliche Einschätzung für deinen Fall. Und wenn du wissen willst, wie so eine Produktion konkret abläuft: Den kompletten Ablauf findest du hier.
Fazit: Erst das Ziel, dann das Video
Herr Berger hat übrigens keinen Imagefilm bekommen. Er hat ein Recruiting-Video bekommen, dazu vier Hochkant-Clips für Instagram – und ein paar Monate später einen neuen Zerspanungsmechaniker, der im Vorstellungsgespräch sagte, er habe „das Video mit dem Meister“ gesehen und gedacht: Da passe ich hin.
Das ist der Punkt: Nicht das schönste Video gewinnt, sondern das richtige. Wenn du gerade überlegst, welches das für dein Unternehmen ist – lass uns sprechen. Im Erstgespräch klären wir genau das, unverbindlich und ehrlich. Manchmal ist die Antwort auch: „Du brauchst gerade gar kein Video.“ Auch das sage ich dir dann.
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Heiko Miller ist Videograf und Gründer von BetterAskHeiko™. Er übernimmt Konzeption, Dreh und Postproduktion persönlich – von Imagefilmen über Recruiting-Videos bis zu Social-Media-Content für Unternehmen in ganz Bayern und darüber hinaus.