Jedes Jahr im Januar meldet sich der erste Betrieb bei mir, weil im September wieder keine Ausbildungsstelle besetzt wurde. Wir reden dann darüber, wie sich für dieses Jahr noch Azubis finden lassen. Und meistens muss ich sagen: für den gerade verpassten Jahrgang lässt sich nicht mehr viel machen. Für den nächsten dagegen schon – wenn man rechtzeitig anfängt.
Das liegt nicht am Betrieb. Es liegt daran, dass die Entscheidung längst gefallen war, als die Stellenanzeige online ging.
Der Zeitpunkt, an dem entschieden wird
Ein Schulabgänger sucht sich seinen Ausbildungsplatz nicht im Frühjahr aus. Er sucht ihn sich in dem Schuljahr davor – und zwar in mehreren Etappen, die nacheinander ablaufen und von denen ein Betrieb keine einzige mitbekommt.
Der entscheidende Teil passiert im Herbst. Zu dem Zeitpunkt, an dem die meisten Betriebe noch gar nicht daran denken, hat ein Jugendlicher seine Liste bereits im Kopf: drei, vier Betriebe, die er kennt oder von denen er gehört hat. Wer auf dieser Liste nicht steht, bekommt auch keine Bewerbung – egal wie gut die Anzeige im März formuliert ist.
Die Stellenanzeige ist also nicht das Werkzeug, mit dem du Azubis gewinnst. Sie ist nur der Briefkasten für eine Entscheidung, die woanders getroffen wurde.
Wo Jugendliche wirklich suchen
Hier wird es für viele Betriebe unangenehm, weil die Antwort mit dem Bauchgefühl kollidiert.
Jugendliche starten nicht auf Jobbörsen. Sie starten bei Menschen: Eltern, Verwandte, ältere Geschwister, der Freund vom Fußball, dessen Bruder da schon arbeitet. Erst wenn ein Name gefallen ist, gehen sie online – und dann suchen sie den Betrieb, nicht die Stelle.
Was sie dabei anschauen, ist in dieser Reihenfolge ziemlich vorhersehbar: das Google-Profil mit den Bewertungen, Instagram, die Website. Häufig vom Handy, häufig abends, häufig in unter zwei Minuten.
Und jetzt der Teil, den ich in Gesprächen am häufigsten erkläre: Sie suchen dabei nicht nach Argumenten. Sie suchen nach einem Gefühl. Sieht das aus wie ein Ort, an dem ich morgens hinwill? Sehe ich Leute, die so alt sind wie ich? Wirkt das nach Zukunft oder nach „das gibt’s noch“?
Ein leeres Instagram-Profil, dessen letzter Beitrag zwei Jahre alt ist, beantwortet diese Frage. Nur nicht in deinem Sinn.
Die Eltern entscheiden mit – und sie recherchieren gründlicher
Bei Ausbildungsberufen entscheidet selten der Jugendliche allein. Die Eltern reden mit, oft sogar mehr, als beiden lieb ist.
Eltern schauen anders hin. Sie interessiert, ob der Betrieb stabil ist, ob dort ordentlich ausgebildet wird, ob das Kind gut aufgehoben ist. Sie lesen Google-Bewertungen von Kunden, sie schauen sich die Website an, sie fragen im Bekanntenkreis.
Das heißt: Du überzeugst faktisch zwei Zielgruppen mit unterschiedlichen Fragen. Der Jugendliche will wissen, ob es dort okay ist. Die Eltern wollen wissen, ob es dort sicher ist. Ein Betrieb, der beides beantwortet, hat einen echten Vorsprung – und die meisten beantworten keines von beidem.
Was du bis zum Herbst tun kannst
Die gute Nachricht: Das meiste davon kostet kein Geld, sondern eine Entscheidung und ein paar Stunden.
Zwei Punkte davon möchte ich erklären, weil sie am meisten unterschätzt werden.
Das Google-Profil. Wenn ein Jugendlicher oder ein Elternteil deinen Firmennamen eingibt, ist das Google-Profil das Erste, was erscheint – noch vor deiner Website. Fotos vom Betrieb, aktuelle Bewertungen, korrekte Öffnungszeiten. Das ist kostenlos und wirkt sofort.
Die aktuellen Azubis. Der glaubwürdigste Mensch, der über deine Ausbildung sprechen kann, ist nicht du. Es ist der Zweitjahres-Azubi, der vor zwei Jahren selbst vor derselben Entscheidung stand. Er redet in der Sprache der Zielgruppe, er kennt die Fragen, und man nimmt ihm ab, was er sagt.
Was ein Video daran ändert
Ich bin Videograf, also ist meine Antwort naheliegend. Deshalb vorab die ehrliche Einordnung: Ein Video ersetzt nichts von dem, was oben steht. Wenn dein Google-Profil leer ist und kein Mensch deinen Betrieb kennt, wird auch ein Film daran wenig ändern.
Was ein Film kann, ist etwas anderes: Er beantwortet die Gefühlsfrage in dreißig Sekunden, für die eine Website drei Absätze braucht und dann trotzdem scheitert. Man sieht die Halle. Man sieht, wer dort arbeitet. Man hört jemanden in normalen Worten erzählen, wie sein Tag aussieht.
Und er löst das Doppelzielgruppen-Problem elegant: Derselbe Dreh liefert einen längeren Film für die Website, den sich die Eltern anschauen, und kurze Hochkant-Clips für Instagram, die beim Jugendlichen ankommen.
Am wirksamsten ist dabei nicht der Hochglanzfilm über den Betrieb, sondern das Mitarbeiterportrait: ein Azubi, 60 bis 90 Sekunden, in seinen eigenen Worten. Kein Skript, keine auswendig gelernten Sätze. Das kostet einen halben Drehtag und läuft danach jahrelang.
Azubis finden: das Zeitfenster
Der Zeitpunkt, zu dem etwas sichtbar sein muss, ist der Herbst vor dem gewünschten Ausbildungsstart – nicht der Frühling davor. Wer erst im Spätsommer oder Herbst anfängt, etwas aufzubauen, ist für diesen Jahrgang zu spät dran; daran lässt sich dann kaum noch etwas ändern.
Für den nächsten Jahrgang hast du dagegen meist genug Vorlauf: Ein Google-Profil, ein paar Fotos und ein Drehtag sind schnell erledigt. Entscheidend ist nur, früh genug damit zu beginnen und nicht bis zum Frühjahr zu warten.
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Eng damit verbunden ist die Frage, was überhaupt auf die Seite gehört, auf der Bewerber landen: Karriereseite: Was drauf muss, damit sich jemand bewirbt.