Firmenvideo-Vermarktung: Der Film ist fertig – und jetzt?

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Die meisten Firmenfilme scheitern nicht am Film. Sie scheitern danach. Der Film wird abgenommen, auf die Startseite gestellt, einmal auf LinkedIn gepostet — und dann passiert nichts mehr. Ein halbes Jahr später sagt jemand im Meeting: „Das Video hat auch nichts gebracht.“

Stimmt oft. Nur lag es selten am Video. Firmenvideo-Vermarktung ist der Teil, den kaum jemand plant — dabei entscheidet er darüber, ob aus einer vierstelligen Investition ein Werkzeug wird oder ein Prospekt in der Schublade.

Die drei Denkfehler

„Ein Video, ein Zweck.“ Aus einem Dreh entstehen mehrere Fassungen: der Hauptfilm, eine Kurzfassung, Hochkant-Clips, eine Version ohne Ton für den Messestand. Wer nur den Hauptfilm nutzt, lässt drei Viertel liegen.

„Wir posten ihn einmal, dann ist er durch.“ Ein Beitrag im Feed ist nach 48 Stunden vorbei. Ein Film ist es nicht — er wird über Jahre eingesetzt, bei jeder neuen Stelle, jeder Messe, jedem Angebot.

Wo dein Film arbeiten sollte

Firmenvideo-Vermarktung: Übersicht, wo ein Firmenvideo arbeiten sollte

Die Liste sieht nach viel aus, ist aber an einem Nachmittag zur Hälfte erledigt. Drei Punkte davon erkläre ich, weil sie am meisten bringen und am seltensten gemacht werden.

Jede einzelne Stellenanzeige. Das ist der Ort, an dem ein Recruiting-Film am härtesten arbeitet. Bei den großen Portalen lässt sich fast immer ein Video oder ein Link einbinden. Wo das nicht geht: Link in den ersten Absatz, nicht ans Ende. Eine Formulierung, die funktioniert: „Schau dir an, wie es bei uns aussieht — 90 Sekunden.“

Die Angebots-Mail des Vertriebs. Der unterschätzteste Ort überhaupt. Wer ein Angebot bekommt, vergleicht — und in diesem Moment entscheidet Vertrauen. Ein Satz im Anschreiben genügt: „Falls Sie sehen wollen, wie wir arbeiten: [Link].“

Die Mitarbeiter, die im Film vorkommen. Bitte sie, den Beitrag zu teilen. Ihre privaten Netzwerke erreichen genau die Leute, die du suchst — Kollegen aus derselben Branche, aus derselben Gegend. Das ist die günstigste Reichweite, die es gibt, und sie kostet nur eine Bitte.

Der 30-Tage-Plan

Wenn du nichts anderes aus diesem Artikel umsetzt: Dieser Plan reicht schon.

WocheWas zu tun istZeit
Woche 1Film auf Startseite, Karriereseite, YouTube und Google-Unternehmensprofil. E-Mail-Signatur bei allen im Team ergänzen.2–3 Std
Woche 2Film in alle laufenden Stellenanzeigen einbauen. Vertrieb informieren, Link in die Angebotsvorlage.1–2 Std
Woche 3Erster Clip für Social Media — mit den Mitarbeitern aus dem Film, nicht mit dem Logo. Team bitten zu teilen.1 Std
Woche 4Zahlen anschauen. Zweiter Clip mit anderem Ausschnitt. Bildschirm am Empfang einrichten.1–2 Std

Die technischen Kleinigkeiten, die viel kosten

Untertitel sind keine Option. Ein sehr großer Teil aller Videos wird ohne Ton geschaut — im Zug, im Büro, abends neben dem Fernseher. Ohne Untertitel ist dein Film für diese Zuschauer stumm.

Kein Autoplay mit Ton. Der schnellste Weg, jemanden von der Seite zu vertreiben.

Nicht direkt in die Website hochladen. Das bremst die ganze Seite aus. Über YouTube oder Vimeo einbinden, am besten mit einem Vorschaubild, das erst beim Klick lädt.

Das Vorschaubild entscheidet über den Klick. Nie das Logo, nie der erste Frame. Ein Gesicht funktioniert fast immer besser als eine Halle. Und die Laufzeit danebenschreiben — „90 Sekunden“ erhöht die Klickrate spürbar, weil niemand gern auf etwas klickt, dessen Dauer er nicht kennt.

Auf Social immer direkt hochladen, nie als YouTube-Link. Plattformen spielen Beiträge, die von ihnen wegführen, deutlich schlechter aus.

Woran du merkst, ob es wirkt

Nicht an Aufrufen. Aufrufe sind die Zahl, die am wenigsten aussagt und am häufigsten genannt wird.

Aussagekräftiger sind: die durchschnittliche Wiedergabedauer (bricht es nach 15 Sekunden ab, trägt der Film nicht), die Zahl der Bewerbungen pro Anzeige vor und nach dem Einbau, und wie oft im Vertrieb der Satz fällt „ich hab euer Video gesehen“.

Die einfachste Messung überhaupt: Frag jeden neuen Mitarbeiter im Vorstellungsgespräch, ob er das Video gesehen hat. Nach zehn Gesprächen weißt du mehr als aus jeder Statistik.

Die häufigsten Fehler

Häufigste Fehler bei der Firmenvideo-Vermarktung

Der letzte Punkt verdient eine Erklärung, weil er später richtig teuer wird: Kläre, wie lange dein Dienstleister das Rohmaterial aufbewahrt. Viele löschen nach ein bis zwei Jahren. Mit Rohmaterial lässt sich der Film später kürzen, hochkant umschneiden oder neu vertonen — für einen Bruchteil einer Neuproduktion. Ohne geht fast nichts mehr.

Über die Jahre

Alle drei bis vier Monate lohnt es sich, denselben Film mit einem anderen Ausschnitt und einem anderen Aufhänger erneut zu posten. Deine Reichweite überschneidet sich weniger, als du denkst — die meisten haben den ersten Beitrag nie gesehen.

Und einmal im Jahr solltest du prüfen, ob der Film noch aktuell ist: Sind alle Menschen darin noch im Betrieb, sehen die Räume noch so aus, trifft die Aussage noch zu? Bei zweimal Nein wird es Zeit für eine Auffrischung — oft reicht dafür ein halber Drehtag.

Und wenn du den Film bewerben willst?

Irgendwann kommt der Gedanke, Werbebudget draufzulegen. Das kann funktionieren — nur wird dabei mehr Geld verbrannt als in jedem anderen Bereich, meistens ohne dass der Betrieb je erfährt, warum.

Der teuerste Fehler passiert schon beim Anlegen der Kampagne. Wer als Ziel „Reichweite“ oder „Videoaufrufe“ wählt, bekommt exakt das: sehr viele sehr billige Aufrufe von Menschen, die niemals etwas tun werden. Die Auswertung sieht großartig aus, passiert ist nichts. Für Personalsuche ist fast immer „Traffic“ auf die Karriereseite das richtige Ziel, oder „Leads“, wenn ein kurzes Formular existiert.

Der zweite Fehler ist die Reihenfolge. Bewirb nie etwas, das ohne Geld schon niemanden interessiert hat. Werbebudget macht aus einem schwachen Clip keinen starken, sondern einen teuren schwachen. Poste erst vier Wochen kostenlos und bewirb dann genau den Beitrag, der auffällig gut lief.

Und der dritte: zu wenig Budget. Drei Euro am Tag liefern Zahlen, aus denen sich nichts ableiten lässt — bezahlt hast du trotzdem. Unter 10 bis 15 Euro am Tag über zwei bis drei Wochen lohnt der Versuch nicht.

Häufige Fragen

Wo sollte man ein Firmenvideo überall einsetzen?

Pflicht sind Startseite, Karriereseite, jede Stellenanzeige, das Google-Unternehmensprofil, YouTube und die E-Mail-Signatur. Sehr wirksam sind außerdem die Angebots-Mail des Vertriebs, die Antwort auf Bewerbungen, der Messestand und ein Bildschirm im Wartebereich. Auf der Startseite allein erreicht ein Film fast nur Menschen, die das Unternehmen ohnehin kennen.

Warum bringt unser Imagefilm nichts?

In den meisten Fällen liegt es nicht am Film, sondern daran, dass er nur an einer Stelle liegt. Ein Film, der ausschließlich auf der Startseite eingebunden ist, wird selten gesehen. Wirksam wird er erst, wenn er dort auftaucht, wo Menschen ohnehin eine Entscheidung treffen — in der Stellenanzeige, im Angebot, am Messestand.

Sollte man ein Video direkt auf Social Media hochladen oder verlinken?

Immer direkt hochladen. Plattformen wie LinkedIn, Instagram und Facebook spielen Beiträge, die von ihnen wegführen, deutlich schlechter aus. Ein YouTube-Link im Beitrag kostet spürbar Reichweite.

Braucht ein Firmenvideo Untertitel?

Ja. Ein großer Teil der Zuschauer schaut ohne Ton, besonders unterwegs und im Büro. Ohne eingebrannte Untertitel geht die Aussage für diese Zuschauer vollständig verloren.

Wie oft darf man denselben Film erneut posten?

Alle drei bis vier Monate mit einem anderen Ausschnitt und einem anderen Aufhänger. Die Überschneidung der Zuschauer ist geringer als vermutet — die meisten haben den vorherigen Beitrag nie gesehen.

Wie lange sollte man das Rohmaterial aufbewahren?

So lange wie möglich, und das vor dem Dreh vertraglich klären. Mit Rohmaterial lassen sich später Kurzfassungen, Hochkant-Versionen und neue Schnitte erstellen — für einen Bruchteil einer Neuproduktion. Viele Dienstleister löschen nach ein bis zwei Jahren.

Lohnt es sich, ein Firmenvideo auf Facebook oder Instagram zu bewerben?

Ja, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Der Beitrag hat organisch schon Resonanz gezeigt, und der Klick führt auf eine funktionierende Karriereseite. Werbebudget macht aus einem schwachen Clip keinen starken – es macht daraus einen teuren schwachen Clip.

Wie viel Budget braucht man für eine Videoanzeige?

Sinnvoll sind mindestens 10 bis 15 Euro pro Tag über 14 bis 21 Tage, also etwa 200 bis 300 Euro für einen ersten Test. Kleinere Beträge liefern keine Daten, aus denen sich eine Entscheidung ableiten lässt – man zahlt trotzdem und weiß hinterher nichts.

Dein nächster Schritt (kostet dich nichts)

Du hast einen Film — oder planst einen — und willst, dass er wirklich arbeitet? In einem kostenlosen Video-Potentialgespräch schauen wir gemeinsam, wo dein Film am meisten bringt. Video-Potentialgespräch buchen.

Passend dazu: Wie ihr komplexe Technik im Film verständlich macht, zeigt der Beitrag Erklärungsbedürftige Produkte im Video verständlich machen.

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